Digitalisierung für sich genommen ist bereits ein Trend – also eine tiefgreifende und nachhaltige Veränderung. Bricht man die Trends in der Digitalisierung weiter herunter, kristallisieren sich Themen heraus, die für Unternehmen und Märkte konkrete Veränderungen nach sich ziehen können. Aus diesem Grund müssen Unternehmen überprüfen, ob diese Trends Einfluss auf ihr Geschäftsmodell haben könnten und wie sie die Trends selbst nutzen können.

Nachdem bereits diverse Experten zu den Trend-Aussichten für das kommende Jahr befragt wurden, soll dieser Artikel dazu dienen, das im Netz verteilte Wissen zu aggregieren. Dazu hat Transformieren.com erneut ein Listening-System eingesetzt. Innerhalb des letzten Monats wurden dazu rund 250.000 Erwähnungen aus dem Internet ausgewertet. Die folgenden Trends wurden dabei am stärksten besprochen.

  1. Chatbots

Chat Bots sind zunächst einmal Robot-Systeme, also Programme, die in Chats den Dialog übernehmen. Wenn Sie demnächst auf Ihrem Lieblings-Online-Shop einkaufen oder mit Ihrem Versicherungsmakler über einen Chat sprechen kann es sein, dass am anderen Ende der „Leitung“ gar kein Mensch, sondern nur ein Computerprogramm sitzt, dass Ihre Fragen beantwortet. Erst wenn der Computer keine Antwort hat, kann ein Mensch in den Dialog eingreifen.

Allein über Chatbots wird pro Monat ca. 140.000 Mal im Netz gesprochen. Der Facebook Messenger bietet über Schnittstellen die Möglichkeit, eigene Chatbots zu integrieren. Seit neuem ist es sogar möglich, mit dem Facebook Werbesystem die Bots zu bewerben. Allerdings ist die Anzahl der Bots noch überschaubar. In anderen Ländern wie China werden Bots in viel höherem Maße eingesetzt, um zum Beispiel darüber Marktforschung zu betreiben. Die folgende Trendanalyse von Google zeigt das steigende Interesse am Thema Chatbots.

 

 

  1. KI und Machine Learning

Künstliche Intelligenz hängt auch mit dem vorherigen Trend der Chatbots zusammen. Je mehr Daten ein Chatbot erhält, desto besser sollen die Ergebnisse der Chats werden. Voraussetzung dafür sind intelligente Algorithmen, die selbst lernen können bzw. auf Künstlicher Intelligenz basieren. Zu den Vorreitern von Machine Learning (ML) zählen Google, Microsoft, Facebook und IBM. Diese vier Unternehmen haben sich im Bereich von AI zu einer Partnerschaft zusammengeschlossen.

Aber auch Amazon trumpft zum Beispiel mit dem Amazon Echo System, das 2017 viele Haushalte erobern wird. Dieses System kann über Sprachsteuerung viele Dinge vereinfachen. Den Fernseher auf Zuruf anschalten, das Licht ein und ausschalten, die richtige Musik über Spotify auswählen und vieles mehr wird möglich. Allerdings sind solche Systeme auch dazu geeignet, permanent zu lauschen.

 

  1. Internet Of Things Anwendungen

Die Vernetzung aller Dinge ist nicht mehr neu. Dank der neuen Internetprotokollversion IPv6 ist es nunmehr möglich, jeden Quadratmeter der Erde mit einer Internetadresse auszustatten. Damit ist die Grundlage dafür geschaffen, dass Geräte und auch Menschen miteinander vernetzbar sind. Unternehmen wie SAP und BOSCH entwickeln eigene Plattformen, die die Vernetzung diverser Geräte ermöglichen.

In einem anderen Artikel hat Transformieren.com aufgezeigt, wie ein B2B Unternehmen aus Deutschland das Internet of Things für ein neues Geschäftsmodell einsetzt.

http://transformieren.com/von-wegen-neuland-wie-ein-deutsches-b2b-unternehmen-die-digitalisierung-nutzt/

Unternehmen müssen für sich prüfen, welche Vernetzungsmöglichkeiten neue Innovationen in ihrem Markt ermöglichen können.

 

  1. Augmented Reality und Virtual Reality

Während Virtual Reality völlig neue Welten erschafft, setzt Augmented Reality auf die bestehende Realität und pflanzt dort visuelle Objekte ein, die auch dreidimensional sein können.

In einem Artikel auf Transformieren.com wurde bereits sehr ausführlich auf Augmented Reality eingegangen. Hier wurde die Microsoft HoloLens getestet. Derzeit ist der Zugriff auf diese AR Brille noch schwierig. Unternehmen müssen sich mit den Möglichkeiten dieser neuen Welt beschäftigen – und zwar so schnell wie möglich.

http://transformieren.com/die-zukunft-heisst-augmented-reality-ein-blick-hinter-die-microsoft-hololens-brille/

 

  1. 3D Druck

Mittlerweile kann man fast alles ausdrucken. So wie das Unternehmen Staramba SE (http://staramba.com/) Prominente vorwiegend aus dem Sportbereich in 3D scannt und dann als Figuren vertreibt gehen immer mehr Unternehmen in den Markt der 3D-Lösungen. Der Gründer der 3D-Plattform Kabuku aus Japan erklärte jüngst, dass auch das Ausdrucken von Autos möglich ist.

Der Plattform-Gedanke, der mehrere Trends miteinander verbindet, wurde im Bereich des 3D-Drucks eingesetzt, um die Produzenten und Ideengeber miteinander zu verbinden. Wertvoll ist am Ende nicht der einzelne Ausdruck und auch nicht die Verfügbarkeit der Drucker, sondern die Plattform-Datenbank, die Vernetzung der Player und der Zugriff auf Ideen.

 

  1. IT Security

Die große Klammer um die neuen Trends schließen IT Sicherheitsanwendungen. Insbesondere Apps rund um das Internet of Things führen zu einem größeren Sicherheitsbedarf sowohl im betrieblichen Umfeld als auch für private Konsumenten. Letztere müssen sich bei dem Einsatz von Smarthome-Lösungen Gedanken machen, wie sie sich vor Hackerangriffen schützen.

(Siehe dazu auch den Artikel http://transformieren.com/die-angst-vor-dem-internet-der-dinge/ )

 

  1. Blockchain

Der Algorithmus, der auch für die Bezahlwährung Bitcoin genutzt wird, wird in Zukunft eine größere Rolle spielen, wenn es um die Absicherung von Transaktionen im Netz geht. Disruptiv wirkt die Blockchain vor allem auf den Finanz- und Versicherungsmarkt sowie für Notare, die derzeit noch in der realen Welt die Transaktionen absichern.

 

  1. Conversational Systems

Immer noch entstehen jedes Jahr neue Plattformen, auf denen Interaktionen stattfinden. Um dem Prinzip der Einfachheit Folge zu leisten werden Systeme entstehen, die den Zugriff auf multiple Plattformen über ein Interface ermöglichen. Schon heute gibt es für die klassischen Social Networks wie Facebook, Twitter, LinkedIn und Co Software-Tools, die die Kommunikation zentralisieren.

 

  1. MASA – Mesh App and Service Architecture

In Zukunft werden Conversational Systems noch mehr Plattformen anbinden oder sogar nur technologische Schnittstellen als Backend-Services zur Verfügung stellen, die dann über eigene Systeme angebunden werden. In diesem Zusammenhang spricht man von MASAs.

 

Weitere Trends

Gartner hat zusätzlich den Trend der Marihuana Startups identifiziert, die aufgrund der veränderten Rechtslage im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden sprießen. Auch Wearables werden als Trend benannt.

Edelman Digital hat zusätzlich Influencer Marketing als Trend herausgestellt.

Social Media und Content Marketing ist heute kein Trend mehr, da sehr viele Unternehmen zunehmend professionell mit diesen Themen umgehen.

 

Fazit

Der steigende Druck auf Unternehmen, sich mit Digitalisierung aktiv zu beschäftigen bringt die Nachfrage nach digitalen Kompetenzen auf den Plan. 2017 werden auch mittelständische Unternehmen die Ausbildung ihrer bestehenden Mitarbeiter verstärken müssen, um der Digitalisierung die Tür zu öffnen. Viele Studien zeigen, dass gerade die Personalabteilungen enormen Nachholbedarf haben – und die sind dafür verantwortlich, welche digitalen Talente rekrutiert werden.

Unternehmen sollten die neuen Trends erst einmal verstehen. Die Trends sind auch nicht für sich allein zu sehen, vielmehr wirken sie bei Geschäftsmodellen auch gemeinsam. So kann eine Internet Of Things Anwendung Auswirkungen auf IT-Sicherheitsanforderungen haben, die mit berücksichtigt werden müssen. Ebenso kann die Anwendung Daten sammeln und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz lernen und damit neue Assets – also Unternehmenswerte – aufbauen. Auch virtuelle Konstruktions-Kits können für AR und VR-Systeme entwickelt werden, die dann am Ende mit einem 3D Drucker in die reale Welt überführt werden.

Aus diesem Grund ist immer eine ganzheitliche Sicht auf die Trends und mögliche Veränderungen notwendig – der erste Schritt ist das „Verstehen“!

Written by Frank Mühlenbeck

Eine zweistellige Zahl an Unternehmensgründungen in drei Ländern, acht eigene Bücher über Digitales Marketing und zahlreiche Beratungsprojekte bei mittelständischen und großen Firmen machen Mühlenbeck zu einem gefragten Referenten und Experten für digitale Geschäftsmodelle. Er begleitet Unternehmen in der Digitalen Transformation.

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