Ein neues Finanzierungsinstrument für Startups macht die Runde – die Initial Coin Offering – kurz ICO. Im Gegensatz zum Börsengang (IPO) verspricht ein ICO, wesentlich unkomplizierter frisches Kapital in das Unternehmen zu spülen, auch wenn im ersten Schritt das Kapital aus einer kryptischen Währung, und nicht aus Euros oder Dollars besteht. Allein die zwei bekanntesten Krypto-Coins Bitcoin und Etherium haben zusammen eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar. Der folgende Artikel zeigt auf, was sich hinter einem ICO verbirgt und welche Herausforderungen Unternehmen bewältigen müssen, um erfolgreich mit ICOs Kapital einzuwerben.

Der Bitcoin – Der Ursprung des ICOs

Die bekannteste und gleichzeitig erste kryptische Währung war und ist der Bitcoin. Viele Menschen sind dank kryptischer Währungen heute Millionär. Wer frühzeitig investiert hat, konnte die schnelle Wertsteigerung der Währungen für sich verbuchen. Gerade junge technologiebegeisterte Menschen haben sich in der Anfangsphase an den Bitcoins bereichert – und das sogar ohne dass sie sich selbst Bitcoins gekauft haben. Unter dem Begriff „Mining“ haben sie mit eigener Rechenleistung die Bitcoins hergestellt und für die Herstellung eigene Bitcoins erhalten. Mitunter haben sie ihre Wohnung mit Servern vollgestellt oder auf Cloud Services wie die Amazon Web Services gemietet, um mit der geballten Rechenpower das digitale Gold zu schürfen. Alternativ dazu kann heute jeder Bitcoins über die öffentlichen Online-Marktplätze erwerben. Wie man Bitcoins Schritt für Schritt kaufen kann, hat t3n in einem Artikel erklärt. http://t3n.de/news/bitcoins-kaufen-kryptowaehrung-826640/

Die Blockchain-Technologie bildet die Basis

Auf Basis der Blockchain Technologie wurde eine virtuelle Währung geschaffen, die über Millionen Rechner zertifiziert und auch produziert wurde und wird. Hinter der Blockchain verbirgt sich eine Technologie, die Informationen verteilt und sicher speichert. Eine einmal in die Blockchain geschriebene Transaktion kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Blockchain bildet damit die Grundlage für den sicheren Handel mit Bitcoins, da jede Transaktion in eine Tabelle geschrieben wird, die festhält, wer wie viele Bitcoins oder andere digitale Währungen besitzt. Mit „wer“ ist aber nicht unbedingt eine Person, sondern eher eine anonyme Zahl gemeint, hinter sich Menschen verstecken. Mittlerweile geben immer mehr Unternehmen eigene kryptische Währungen heraus – die Initial Coin Offering – kurz ICO ist der neue Wertetreiber in der digitalen Welt. Der folgende Artikel erklärt, was sich hinter einem ICO verbirgt.

Die Grundlagen des ICOs

Soweit Unternehmen eine größere Finanzspritze brauchen, um das Unternehmenswachstum voranzutreiben, bieten sich unterschiedliche Instrumente der Finanzierung an. Der komplexeste Hebel ist sicher der Börsengang oder IPO. Dank starker Regulierung erhalten Anleger in der Regel eine gewisse Transparenz über die potentielle Geldanlage. Offenlegungspflichten der Unternehmen dienen dazu, die Entscheidungsgrundlage für den Investor zu verbreitern. Im Gegensatz dazu ist der ICO bis heute kaum reglementiert. Unternehmen bieten mit dem ICO auch keine Beteiligung in Form von Aktien an, sondern lediglich den Kauf einer unternehmenseigenen Währung. Einige Unternehmen benennen den Kauf ihrer Währung vorsichtig als eine Art Spende, andere bieten an, mit den Coins direkte Leistungen oder Produkte des Unternehmens zu kaufen. Zusätzlich spannend für den Anleger ist die Möglichkeit, im Erfolgsfall des Unternehmens mit der Währung zu handeln. Soweit der Wert der Coins steigt und ein Handel möglich wird, kann der Anleger die Coins zu einem höheren Preis wieder an einer Kryptobörse verkaufen.

Der Kryptocoin-Handel

Die Coins werden nicht an den klassischen Börsen gehandelt. Dazu bieten verschiedene Anbieter eigene Online-Handelsplattformen an, die die Coins gegen Gebühren listen und handelbar machen. Die einzelnen Transaktionen werden zudem mit Gebühren zwischen 0,15 und 2 Prozent berechnet. Zu unterscheiden sind die reinen Kryptobörsen, bei denen Kryptowährung gegen Kryptowährung gehandelt wird, und die digitalen Wechselstuben, bei denen es möglich ist, zum Beispiel Euros gegen Bitcoin zu tauschen. Letztere werden aufgrund der Notwendigkeit einer Bank stärker geregelt und besser gesichert. Eine Liste von Online-Handelsbörsen gibt es auf folgendem Link:

http://kryptokenner.de/uebersicht-kryptoboersen/

Die Herausforderungen des ICOs

Die Schwierigkeit eines ICOs besteht vor allem darin, im ersten Schritt genügend Anleger zu finden, die Euros oder Kryptowährungen in die neue Kryptowährung investieren. Dazu ist entweder eine Community bereits verfügbar, oder sie muss durch geschickte Public Relations frühzeitig über den anstehenden ICO aufwendig informiert werden. Letztlich funktionieren ICOs in solchen Fällen nur, wenn ein genügend großes Maß an Vertrauen existiert.

In anderen Fällen von ICOs wurde das Airdrop Verfahren eingesetzt. Man stelle sich vor, dass ein Hubschrauber über eine Stadt fliegt und von oben tonnenweise Geldscheine ausschüttet, um eine Basiswährung unter den Städtern zu verteilen. Analog dazu ist der Airdrop bei einem ICO ebenfalls dazu gedacht, gratis die ersten Coins in einer Community zu verteilen. In Island wurde beispielsweise der Auroracoin unter den Isländern verteilt, um eine nationale kryptische Währung zu schaffen. Jeder Isländer konnte sich mit seiner Sozialversicherungsnummer online gratis Kryptocoins beantragen, wovon immerhin 13% aller Isländer Gebrauch gemacht haben. Problematisch an Airdrops ist aber die Tatsache, dass die gratis ausgegebenen Coins schnell das Gefühl von Wertlosigkeit suggerieren. Warum sollte daher später ein Krypto-Anleger diesen Coin kaufen? Somit ist es kein Wunder, dass der Kurs dieses Coins sich nach dem ICO permanent auf sehr niedrigem Niveau bewegt.

Der technologische Ansatz eines ICOs

Die meisten ICOs basieren auf einer bestehenden Kryptowährung wie dem Bitcoin. Entwickler bedienen sich an dem verfügbaren Open Source Quellcode, verändern ein paar Zeilen Code und setzen darauf ihre eigene digitale Kryptowährung auf. Je nachdem, ob lediglich ein Handel mit Coins oder weitere Tätigkeiten wie Verträge verbunden werden sollen, eignen sich unterschiedliche Open Source Lösungen. Während der Bitcoin nur Transaktionen in der Blockchain speichern kann, bietet Etherium zusätzlich die Option, Code zu übertragen. Damit wurde die Grundlage geschaffen, auf der Blockchain Anwendungen zu programmieren. Die Smart Contracts sind eine typische Anwendung, die zum Beispiel automatisch Zahlungen auslösen können, wenn bestimmte Anforderungen erfüllt werden. Neben der reinen Nutzung von Open Source Coin-Lösungen bieten neuerdings auch Unternehmen an, auf ihre bestehende Coin-Infrastruktur aufzusetzen und darauf basierend eigene so genannte Tokens auszugeben. Bei der technologischen Auswahl müssen sich Unternehmen auch mit der Art der fortlaufenden Coin-Produktion beschäftigen (Mining). Je nach Coin-Format und Coin-Verifizierung unterscheidet man unterschiedliche Proof of Work-Systeme. Je einfacher die Verifizierung ausfällt, desto schneller kann ein Handel erfolgen und desto weniger Rechenkapazität ist notwendig. Aufgrund der Komplexität der Blockchain-Technologie belassen wir es an dieser Stelle bei diesem Überblick.

Wie Unternehmen mit ICOs Realgeld schaffen

Bleibt die Frage, wie das Unternehmen, dass eine eigene Kryptowährung herausgibt, am Ende echtes Geld erhalten kann. Soweit sie die Währung ausgeben und andere Kryptowährungen erhalten, können sie diese wieder gegen Bitcoins oder andere starke Kryptocoins an den Kryptobörsen umtauschen und am Ende über ihre Wallets – ihre digitale Brieftasche – wieder in echte Euros umtauschen. Der Umtausch kann sowohl über Wallets und digitale Wechselstuben erfolgen als auch über Bitcoin-Treffpunkte, bei denen Bargeld gegen Bitcoins getauscht wird. Der Aufwand ist je Summe natürlich entsprechend hoch.

Eine Übersicht über neue Plattformen und Unternehmen, die eigene ICOs durchführen, zeigt der folgende Link: https://tokenmarket.net/ico-calendar

In China sind ICOs mittlerweile verboten, da sie völlig unreglementiert sind. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest der Welt nachzieht und die Einführung kryptischer Währungen starken Regulierungen unterwirft oder sie schlichtweg verbietet. Noch ist es möglich, für innovative Unternehmen auf der ICO-Welle mitzureiten, wenn man seine Hausaufgaben richtig gemacht hat.

Written by Frank Mühlenbeck

Eine zweistellige Zahl an Unternehmensgründungen in drei Ländern, acht eigene Bücher über Digitales Marketing und zahlreiche Beratungsprojekte bei mittelständischen und großen Firmen machen Mühlenbeck zu einem gefragten Referenten und Experten für digitale Geschäftsmodelle. Er begleitet Unternehmen in der Digitalen Transformation.