Die digitale Transformation der eigenen Arbeitsmethodik nimmt Fahrt auf. Zwei neue Geräte namens Remarkable und iPad Pro versprechen, dem Papierkrieg ein Ende zu setzen. Mit einem Stift lässt sich jeder Papierblock ersetzen und digitalisieren. Auch der Ausdruck von Dokumenten zur Stiftkorrektur ist passé. Bei Transformieren.com haben wir beide Geräte getestet.

Ein aus meiner Sicht schon lange geträumter Traum wird endlich Wirklichkeit. Meine Notizbücher und Blöcke aus Papier sind Geschichte. Schon früh versuchten die ersten Hersteller, Notizbücher zu digitalisieren. Ob Samsung mit den großen Notes-Handys oder digitale Stifte, die das Geschriebene später per USB auf einen Rechner speichern sollten, es gab viele Versuche. Alle schlugen am Ende fehl. Die Bedienerfreundlichkeit war suboptimal, die Displays zu klein, der Speicheraufwand zu hoch oder die Apps zu schlecht. Nach langem Warten dürfen sich die Anwender heute gleich über zwei mögliche Geräte freuen, die die Digitalisierung von Papiernotizen auf unterschiedliche Weise lösen. Im Folgenden stellen wir die beiden Geräte zunächst im Überblick vor. Anschließend zeigen wir ein paar Anwendungsszenarien und schließen mit einem Fazit.

Remarkable auf einen Blick

Der oder das Remarkable ist ein digitales Schreib-Tablet auf Basis von digitaler Tinte, auch als e-Ink bekannt. Diese Form der Tinte ist bereits bei Buchlesegeräten wie dem Kindle Alltag. Vorteile liegen in der Lesbarkeit bei Tageslicht und im geringen Stromverbrauch der Geräte. Bereits beim Auspacken hat Gründer und CEO Magnus Wanberg auf Design gesetzt. Soweit man sein Remarkable aus der Verpackung befreit hat, kann es schon losgehen.  Ein Klick (mit Finger oder Stift) auf „Quick Sheet“, und schon kann der erste digitale Notizzettel befüllt werden. Der Stift von Remarkable kommt gänzlich ohne Batterie und Akku aus. Er ist leicht in der Hand zu halten. Man gewöhnt sich schnell an das neue Gerät und es ist in kürzester Stand vollends verständlich.

IPad Pro mit Stift auf einen Blick

Für Apple-Nutzer ist das iPad Pro wie gewohnt komplett selbst erklärend. Der dazugehörige Stift lässt sich einfach direkt über das iPad aufladen, indem man den Stift in den Strom-Schlitz einsteckt. Zur professionellen Nutzung sollte man sich die notwendigen Apps im App Store herunterladen bzw. kaufen. Zu den wichtigsten Notiz-Apps zählen Good Notes, Nebo und PDF Expert.

Der Vergleich beider Geräte

Im Folgenden betrachten wir bestimmte Aspekte und Nutzungsszenarien beider Geräte.

Die Größe und das Gewicht

Das iPad Pro ist in verschiedenen Größen bestellbar, das Remarkable bietet nur eine Größe. Mit 10,3“ erreicht das Remarkable nicht die Größe eines DinA4 Blatts. Das große iPad Pro bietet mit 12,9“ nahezu die Größe eines DinA 4 Blattes. Remarkable wiegt nur 350 Gramm, das iPad Pro mit ca. 720 Gramm mehr als doppelt so viel.

Das Schreibgefühl

Der Stift des iPads liegt aufgrund seines Gewichts schwerer in der Hand als der Stift des Remarkable. Auch das Schreiben auf dem kleineren e-Ink-Pad fühlt sich mehr nach dem gewohnten Schreiben auf Papier an als das Schreiben auf der „iPad Glasscheibe“. Auch die Lautstärke beim Schreiben ist beim iPad höher als beim Remarkable. Letztlich kann man sich aber an beide Arten des Schreibens schnell gewöhnen.

Dokumente korrigieren

Ein wesentlicher Anwendungsbereich ist das Korrigieren von Dokumenten. Ich erhalte täglich Word-Dokumente und Powerpoint-Präsentationen sowie PDF-Dokumente, die ich korrigieren muss. Bisher musste ich die Dokumente auf Papier ausdrucken und anschließend wieder einscannen und per E-Mail zurücksenden. Sowohl das remarkable als auch das iPad Pro können Dokumente bearbeiten. Beim Remarkable muss man über die App zunächst die Daten in einen Ordner importieren. Dann muss die App mit dem Gerät synchronisiert werden, was schon mal ein paar Minuten dauern kann. Anschließend kann das Dokument auf dem Gerät geöffnet und mit dem Stift bearbeitet werden. Diese Art der Arbeit war aber eher mühselig im Vergleich zur Arbeit mit dem iPad Pro. Sobald die Dokumente in der Datencloud – zum Beispiel in der Dropbox liegen, kann ich diese auf dem iPad öffnen und mit einer App wie dem PDF Expert bearbeiten. Anschließend speichere ich das Dokument und kann es entweder in einen neuen Ordner exportieren oder je nach App per E-Mail versenden.

Mit dem iPad Pro Dokumente korrigieren

Ein weiterer großer Vorteil des iPad Pros besteht in der Farbe. Während auf dem Remarkable alle Dokumente nur in Schwarz Weiß dargestellt werden, zeigt das iPad Pro die Dokumente in Farbe. Auch die Größe ist ein klarer Vorteil. Daneben sind die klassischen Apple-Funktionen des Heranzoomens über zwei Finger sehr hilfreich. Das Zoomen ist beim Remarkable nur über das Menü etwas umständlich realisierbar.

Insgesamt rate ich dazu, für die Dokumentbearbeitung mehr auf das iPad pro in der großen Variante zu setzen.

Die Speicherung der Dokumente

Der Remarkable bietet ein eigenes Dokumenten-Management-System an. Mit Hilfe von Apps für den PC und für das Smartphone lassen sich die Dokumente schnell auf allen Geräten einsehen. Dennoch muss zur Nutzung die Installation einer Remarkable-App erfolgen. Eine Einfügung in bestehende Dateisysteme wie Dropbox ist derzeit nicht verfügbar.

Beim Apple IPad Pro erfolgt die Speicherung entweder über die Apple Cloud oder über externe Anbieter, wozu unter anderem auch Dropbox zählt. Damit ist die Installation weiterer App-Software im Gegensatz zum Remarkable nicht notwendig.

Der Preis

Das iPad Pro liegt mit rund 1.000 Euro inklusive Stift klar über dem Preis des Remarkable. Allerdings sollte man beim Remarkable darauf achten, dass man zusätzlich Geld für den Zoll einkalkuliert, da das Paket aus Hong Kong versendet wird und die Zollkosten nicht im Preis inkludiert sind. Mit Kosten in Höhe von ca. 90 Euro steigert das den auf der Shopseite publizierten Preis noch einmal.

Zusätzlich sollten Sie auf die Versandzeit achten. Hier gehen je nach Verfügbarkeit gern mehrere Monate ins Land, bis Sie das Gerät besitzen. Eine Alternative ist ein Blick auf ebay und Co, um bereits in Deutschland verfügbare gebrauchte Geräte schneller und vielleicht auch günstiger zu erwerben.

Der Vergleich auf einen Blick

Ein paar wichtige Features fasst die folgende Tabelle zusammen:

Tabelle Vergleich iPad pro vs. Remarkable

 

Fazit: Kaufempfehlung

Anhand der unterschiedlichen Anwendungsszenarien lässt sich schnell eine Wahl für das richtige Gerät ableiten. Auf welches Gerät Sie auch immer setzen, das Schwierigste besteht nicht in der Auswahl, sondern in der nachhaltigen Umstellung Ihrer Arbeitsweise. Ich selbst habe in der Vergangenheit immer wieder – mehrmals täglich – zu Papier und Stift gegriffen. Ich bin daran gewöhnt, meine Gedanken zuerst handschriftlich festzuhalten, weil ich so gefühlt besser denken kann. Gewohnheiten stellt man sehr schwer ab. Aus diesem Grund habe ich zum einen immer meinen digitalen Notizblock neben meiner Tastatur liegen. Zum anderen habe ich den Zugriff auf Papiervorräte für mich erschwert, weil ich Papier in einem nun abgeschlossenen Schrank untergebracht habe. Damit ist für mich ein neuer Aufwand entstanden, Papier zu nutzen und es fällt mir zunehmend leichter, auf den digitalen Notizblock zurückzugreifen. In der Vergangenheit habe ich im Jahr einige Notizblöcke und damit Papier verbraucht, Sie bestimmt auch. Deutschland ist nach China, USA und Japan der viertgrößte Papierproduzent der Welt. Mit der Digitalisierung unserer Arbeitsweise können wir nicht nur ein Zeichen für eine Reduktion von Papier und damit zur Schonung unserer Wälder setzen, wir können auch aktiv unseren Verbrauch reduzieren. Probieren Sie es aus.

Written by Frank Mühlenbeck

Eine zweistellige Zahl an Unternehmensgründungen in drei Ländern, acht eigene Bücher über Digitales Marketing und zahlreiche Beratungsprojekte bei mittelständischen und großen Firmen machen Mühlenbeck zu einem gefragten Referenten und Experten für digitale Geschäftsmodelle. Er begleitet Unternehmen in der Digitalen Transformation.